Gender Mainstreaming

Das Gender-Mainstream-Projekt ist die künstlerische Auseinandersetzung mit der Gender Diskussion, die sich aus den frühen weltweiten vereinzelten feministischen Energien heraus nun endlich seit Beginn des 21. Jahrhundert zum politischen Thema und zur Gesetzgebung in Europa entwickelt hat. Galerie>>

Aus persönlicher Sicht in1987

Die wissenschaftlichen Arbeiten hierzu geben Aufschluss über die komplexe Vielschichtigkeit des Themas. Im Rahmen dieser Thematik stelle ich als Künstlerin und Kunstprojektinitiatorin die Geschlechterverhältnisse in Bildern aus persönlicher Sicht dar. Als ich junge Mutter wurde, wurde mir bewusst, dass sich das Leben total verändert. Warum hat mich niemand auf die Rolle vorbereitet und erzählt, was das Begleiten eines jungen Menschen in die Welt hinein abverlangt? Ich stand plötzlich mit dieser gewaltigen Aufgabe weitestgehend alleine da. Wie können geschlechtsspezifische Körpermerkmale des Menschen diese in spezifische soziale Erwartungshaltungen klassifizieren und die jungen Mütter dann mit der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe der Kindererziehung so alleine stehen lassen? Die überwiegend berufstätigen Väter der Kinder arbeiten aus Karrieregründen zwischen 40 bis 60 Stunden in der Woche. Das wird in der heutigen Wirtschaft als Selbstverständlichkeit erwartet. Eine partielle Kinderbetreuung durch einen Kindergartenplatz wäre mein allergrößter Wunsch gewesen, um meinen künstlerischen Beruf mit der gewünschten Mutterschaft vereinbaren zu können. Doch ein  Kinderbetreuungsplatz war rar wie ein Lottogewinn.

Durch meine neue Mutterrolle lernte ich viele andere Mütter kennen, denen es genauso ging. Es entstanden viele Zweck- und fundierte Freundschaften. Unter anderem schloss ich Freundschaften zu zwei Ärztinnen. Die eine hatte drei und die andere vier Kinder. Beide Ärztinnen erzogen ihre Kinder mit sehr viel Engagement. Ihre Ehemänner waren ebenfalls Ärzte und konnten es sich leisten, als Alleinverdiener für 5 bzw. 6 Personen zu sorgen. In der Zeit lernte ich eine Kollegin meines Mannes kennen, ebenfalls Ärztin, die sich für die Kinderlosigkeit und Karriere entschieden hatte und als Professorin an der Universität arbeitete. Inzwischen haben alle Kinder der zwei Ärztinnen die Schule beendet. Das berufliche Wissen dieser zwei Ärztinnen ist nun veraltet und die Rückkehr in den Beruf nur schwer möglich. Die sieben Kinder von ihnen studieren und die engagierte Erziehungsarbeit der Mütter hat gute Früchte getragen. Es ist voraus zu sehen, dass die sieben Kinder die Pension der kinderlosen Professorin erarbeiten werden. Ihre beiden Mütter werden leider ohne leistungsgerechte Rente auskommen müssen.

Mir persönlich ging es nicht viel anders. Ich habe engagiert die Erziehungsarbeit und die Betreuung  meiner pflegebedürftigen Mutter übernommen und nur mit allergrößtem Organisationsaufkommen Ruhe und Freiraum für meine künstlerische Arbeit gefunden. Während eines Arbeitsgespräches in Vorbereitung auf eine Ausstellung mit James Turrell flutschte mir plötzlich die Bemerkung heraus „my daughter is my masterpiece“. Warum hatte ich das gesagt? War damit alles gesagt? War es entschuldigend für all die Werke, die ich nicht malen konnte? Einige Zeit darauf, ab 2002, entstand die Bildserie „In The Cosmos Of Kitchen Cinnamon Stars Will Burn Out“ – “Im Kosmos der Küche verglühen die Zimtsterne”,  die zum Gender Projekt gehört.

Eine Erziehungsarbeit zu leisten sollte gesellschaftlich hoch angesehen sein und wirtschaftlich im Rentenalter nicht zur Armut führen. Es müssen endlich genügend gute Kinderbetreuungseinrichtungen geschaffen werden. Wenn das politisch umgesetzt ist, werden ohne Existenzangst auch wieder genügend Kinder geboren werden können. Männer und Frauen könnten gleichermaßen eine freie Entscheidung für die Familienarbeit treffen.
„I have a dream“, (so begann doch schon einmal in der Geschichte ein sozialpolitischer Appell) dass eines Tages die durch geschlechtliche Merkmale zugeteilten Rollen der Frauen und Männer in den unterschiedlichen Gesellschaften, Religionen, Schichten und Traditionen sich aufheben und eine selbst bestimmte Lebensplanung möglich ist. Also, unabhängig von den geschlechtsspezifischen Merkmalen und ohne finanzielle Benachteiligungen für die frei erwählte Rolle. Diese freie Entscheidung und soziale Sicherheit ist Voraussetzung dafür, dass sich die so genannte „Creativ Class“ (definiert durch Richard Florida), die ein wichtiges Fundament aller funktionierenden Gesellschaften der Zukunft bildet, sich für Kinder entscheidet.

Das künstlerische Gender Mainstream Projekt ist in vier Kapiteln unterteilt:

Die Rollen der Frauen im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert.
Die Rollen der Männer im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert.
Die Rollen der Paare im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert.
Gender Mainstream in 30 Jahren.

Die Umsetzung des Projektes erfolgt mit der klassischen Formensprache der Malerei. Denn nur die klassische Malerei ermöglicht mir eine grenzenlose Vielfalt und ein vielschichtiges Aufzeigen der zeitgenössischen Rollen der Geschlechter. Darüber hinaus ermöglicht die Malerei, komplexe Themen über Emotionen zu transportieren.


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