Die Illumination der Stadt Frankfurt – Konzeptarbeit 1998/1999

Die Idee und Konzeptarbeit für eine künstlerisch anspruchsvolle Illumination der Stadt Frankfurt begann im Jahre 1998. Das Projekt sollte unter Beteiligung vieler namhafter internationaler Künstler und Frankfurter Institutionen (Stadt, Messe, Museen, Universität, Hochhäuser) realisiert werden und mit dem neuen Jahrtausend starten. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth übernahm freundlicherweise die Schirmherrschaft des Projektes. In zahlreichen Präsentationen und Treffen mit Vertretern der Stadt Frankfurt, Museumsdirektoren, Vertretern der Messe Frankfurt, den Hochhauseigentümern und internationalen Künstlern wurde die Idee und das Konzept vorgestellt und die mögliche Realisierung des Projekts diskutiert.

Zeitgleich führte ich am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe Universität in Zusammenarbeit mit Prof. Kerscher ein projektbezogenes Seminar durch. Das Seminar thematisierte die wissenschaftliche Bearbeitung des Projektes und führte die Studenten in die neue Kunstgattung Lichtkunst und in die Arbeiten der teilnehmenden Künstler ein.

Verschiedene Veranstaltungen wurden hierüber vom MMK Frankfurt, dem Deutschen Architekturmuseum und der Messe Frankfurt umgesetzt. Viele Elemente dieser Konzeptarbeit sind mittlerweile in ganz eigener Art und Weise in der Luminale, eine Veranstaltung, die die Architekturmesse Light + Building begleitet, zurückzufinden.

Ein Auszug meiner Konzeptarbeit von 1998/1999:

Idee: Das Licht der Sonne und die Gewinnung von Energie daraus wird in der menschlichen Zukunft einen großen Stellenwert einnehmen. Auch in der Geschichte der Menschheit spielte Licht in vielerlei Hinsicht schon immer eine wichtige Rolle. In allen Kulturkreisen war Licht mit Leben und Glück verbunden. In den Religionen ist Licht ein Zeichen für die Anwesenheit des Göttlichen. In der Philosophie steht Licht für Erkenntnis und die freudige Erwartung der Zukunft. Jedes Jahr heißen die Menschen zu Silvester auf der ganzen Welt durch Lichtraketen das Neue willkommen und verjagen das Alte. Das Illuminations-Kunstprojekt ist eine Metapher, welche die grundlegende Zuversicht und den zunehmenden erwünschten Einklang zwischen Mensch und Natur für das beginnende neue Millennium symbolisieren soll. Mensch und Natur sollten zusehends auf die gleiche Wellenlänge kommen, denn sie stehen und agieren im gleichen Spektrum.

Konzept: In den Lichtinstallationen des Illuminations-Kunstprojektes werden die Besucher selbst zu Bestandteilen der Inszenierung: In dem sie durch die Straßen gehen, werfen sie selber farbige Schatten und sind auf diese Weise Teile einer ständig wechselnden Inszenierung. Die Illumination verändert fast unmerklich unser räumliches Erleben der Stadt: Der Raum öffnet sich, die Wahrnehmung und Stimmung wird angeregt. Eine neue Dimension des Standpunktes des Betrachters wird, wie bei Barnett Newman oder Caspar David Friedrich, erfahrbar gemacht. Die Kontemplation im und vor dem Kunstwerk wird gleichzeitig ermöglicht.

Das Illuminations-Projekt besteht aus vielen Einzelwerken, die das Thema Licht und Wahrnehmung variieren. Künstlerinnen und Künstler, deren Medium das Licht ist, gestalten zwar jeweils Einzelwerke; diese sind jedoch durch das gemeinsame Thema miteinander verbunden. Auf diese Weise werden Bauwerke, die tagsüber eine erratische Stellung bilden, nachts durch das Licht ein Gesamtwerk.

Diese Absicht liegt darin begründet, dass leider in der modernen Architektur oftmals keine Rücksicht oder Bezug mehr auf die Fassade der Nachbarschaft genommen wird. Dieses zeigt sich zum Beispiel in der Stadt Frankfurt ganz besonders in den Architekturen der Bankenhochhäuser. Jedes Bauwerk ist ein Solitär, das keinen Kontext zur übrigen Umgebung oder zur menschlichen Dimension aufgreift. In früheren Stadtentwicklungen jedoch suchte man in der Formensprache der Architektur an Plätzen und in Straßenzügen noch Bezug zueinander und nahm in den Sockeln der Häuser Rücksicht auf die menschlichen Dimensionen. Heute möchten die Auftraggeber und Architekten durch die Hochhausarchitektur das Nachbarhochhaus in Höhe und Erscheinung übertreffen oder die Auftraggeber und Architekten entwerfen seelenlose Bauten, die nach spätestens einer halben Generation wieder abgerissen werden. Sie hinterlassen für die nachfolgenden Generationen keine erbaulichen Hinterlassenschaften. Im gewissen Sinne spiegelt diese moderne Architektur unsere heutige Gesellschaft wieder. Rücksicht auf die umliegende Nachbarschaft und die Mitmenschen scheint nahezu ein Auslaufmodell zu sein. Die egozentrische Lebenseinstellung und die Ausbeutung der Natur ist in der modernen Gesellschaft die Norm. Menschen, die in den Bürotürmen der Stadt arbeiten werden als „human resources“ bezeichnet. Sie werden als Biomasse der Wirtschaft bei Fusionen oder Reorganisationen verkauft, hin und her verschoben oder entlassen.

Künstlerisch wird die Illumination der Skyline nachts aus der Stadt Frankfurt ein Gesamtkunstwerk machen und wird die Realität durch die Poetisierung mittels des Lichts für einige Stunden überstrahlt. Dem Besucher erschließt sich durch die Illumination der Stadt Frankfurt ein kollektives Erlebnis. Der ausgewiesene Lichtparcours bietet auch ortsunkundigen Besuchern eine Anzahl von Standpunkten und Aussichtspositionen, um den „Locus amoenus“ (lieblicher Ort) zu betrachten. Wer lieber allein genießt, hat die Möglichkeit zur individuellen Kontemplation an zahlreichen Aussichtsstellen innerhalb und außerhalb der Stadt. Selbst aus dem Flugzeug wird die Poetisierung der Stadt durch das Licht wahrzunehmen sein.

Nachts führt ein Innenstadtparcours den Besucher durch das Kunstprojekt, gleichsam wie der Faden der Ariadne, von einem Kunstwerk zum nächsten. Betrachtet man die Inszenierung von den Standpunkten des Peripherieparcours, so bilden die Lichtkunstwerke in der Stadt eine Gesamtheit.

Eine Ausstellung mit Bildern, Fotos und Schrifttafeln begleitet die Illumination. Den Kunstinteressierten soll ein zur Ausstellung erscheinender Katalog wissenschaftliche Aspekte des Projektes aufzeigen. Während der Ausstellung werden Vorträge und Führungen über die Kunst mit Licht stattfinden und über die Bedeutung des Lichts in Wissenschaft und Forschung referiert. Das Illumination-Kunstprojekt ist in vielerlei Hinsicht zukunftsweisend für die Bedeutung des Lichts als Ausdrucksmedium und Energiespender der Zukunft. Die Illumination ist das Symbol für Errungenschaften, die durch ein Zusammenspiel von vielen Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Völkergemeinschaften entstehen. Nur ein Zusammenspiel wird die Gesellschaften und die Menschheit weiter tragen. Der Mensch wird nur überleben wenn er im Einklang mit der Natur lebt und nur dann ist das Überleben überhaupt erstrebenswert.


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